Erde

Im Vergleich: Systeme zur Entsorgung

Ein Blick über unsere bundesdeutschen Staatsgrenzen hinaus zeigt im Wesentlichen drei unterschiedliche Verwertungssysteme für Altreifen.

Freier Markt

In Deutschland und einigen seiner Nachbarländer bestimmt der Markt die Wege der Verwertung. Solange dies unter Berücksichtigung der Auflagen des Umweltrechtes geschieht gibt es keinerlei Eingriffe seitens staatlicher Stellen in die Entsorgungssysteme.

Produktverantwortung der Industrie

In Frankreich, den Niederlanden, in Italien, Spanien, Portugal und einer ganzen Reihe weiterer Länder sind die Reifenhersteller gefordert, Systeme zur Sammlung und Verwertung von Altreifen implementiert werden. Die Kosten hierfür sind durch die Industrie zu tragen und werden entsprechend im Kaufpreis enthalten sein. Dementsprechend liegt es im Interesse der Industrie, Recyclingprozesse zu optimieren und somit die Kosten für die Verwertung zu reduzieren, gleichzeitig die Quote der stofflichen Verwertung kontinuierlich zu erhöhen und so Sekundärrohstoffe im Markt platzieren zu können.

Recyclingfinanzierung durch Steuern

In Dänemark und der Slowakei verantwortet der Staat die Finanzierung der Altreifenentsorgung. Gegenfinanziert wird dies durch Steuern, die beim Kauf eines Neureifens erhoben werden.

Übersicht der Entsorgungssysteme in Europa (Quelle: www.aliapur.fr)

Das beste System?

Stellt sich nun also die Frage, welches System das Bessere ist. Um diese qualitativ vergleichen zu können, muss eine gemeinsame Messgröße, ein Bewertungskriterium gefunden werden. Aus Verbrauchersicht könnten wir das System favorisieren, das die geringesten Kosten verursacht. Aus ökologischer Sicht möchten wir jedoch die Quoten der stofflichen bzw. energetisch/thermischen Verwertung gegenüberstellen. Uns also die Frage stellen, ob das Entsorgungssystem an sich die Quote der stofflichen Verwertung positiv verändert.

Quoten

Die oben angeführten Zahlen sind dem Jahresbericht 2014 der ETRMA, der European Tyre & Rubber Manufactures Association entnommen. Signifikante Unterschiede in der Betrachtung der verschiedenen Recyclingsysteme (hier Mark regulierend und Erzeuger getrieben) lassen sich für uns nicht feststellen. Es scheint eher so zu sein, dass Deutschland und Großbritannien mit seinen vom freien Mark regulierten Systemen die höhere stoffliche Verwertungsquote erreichen. Eine Ausnhame stellt dabei Estland dar. Hier werden keine Altreifen energetisch/thermisch entsorgt. Gleichzeitig werden in Estland prozentual die meisten ELT (rund 55%!) im Pyrolyseverfahren zu Sekundärrohstoffen verarbeitet. Der Grund hierfür mag in der Erfahrung der Esten mit der Pyrolyse zur Gewinnung von Öl aus Ölschiefer liegen.

Fazit

Abschließend stellen wir fest, die unterschiedlichen Recyclingsysteme für Altreifen (ELT) in Europa beeinflussen die Quote der stofflichen Verwertung nicht oder kaum. Zur Durchsetzung höherer Quoten stofflicher Verwertung sind vielmehr zusätzliche Produktanwendungen (z.B. für Gummigranulate) und die marktreife und ökonomische Anwendung zukunftsweisender Technologien (z.B. der Pyrolyse) notwendig, und dies über die Grenzen der Entsorgungssysteme hinweg.

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